Wie tief war die Friedrich-Schiller-Universität Jena in die nationalsozialistische Herrschaft und ihre rassistische Wissenschaft verstrickt? Welche Personen, Institutionen und Orte der Stadt stehen für diese Geschichte und wie gehen wir heute mit diesem Erbe um?
Der 𝗔𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝘀𝗸𝗿𝗲𝗶𝘀 𝗦𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻𝗱𝗲 𝗩𝗲𝗿𝗴𝗮𝗻𝗴𝗲𝗻𝗵𝗲𝗶𝘁 lädt am Samstag, 10. Oktober 2026, um 15 Uhr zu einem historischen Rundgang durch Jena ein.
Unter dem Titel
𝗡𝗦-𝗝𝗘𝗡𝗔 · 𝗠𝗔𝗖𝗛𝗧 · 𝗪𝗜𝗦𝗦𝗘𝗡𝗦𝗖𝗛𝗔𝗙𝗧
nehmen wir die Geschichte der Universität und insbesondere jene Akteure in den Blick, die nationalsozialistische Ideologie, Ausgrenzung und rassistische „Wissenschaft“ mitprägten. Die Universität Jena entwickelte sich während des Nationalsozialismus zu einer "Musteruniversität". Wissenschaft, Politik und rassistische Ideologie waren dabei eng miteinander verflochten.
Eine zentrale Figur dieser Geschichte war 𝗛𝗮𝗻𝘀 𝗙. 𝗞. 𝗚ü𝗻𝘁𝗵𝗲𝗿. Seine Berufung nach Jena wurde 1930 vom nationalsozialistischen thüringischen Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick gegen den Widerstand der Universität durchgesetzt. Am 15. November 1930 hielt Günther in der überfüllten Aula des Universitätshauptgebäudes seine Antrittsvorlesung „Über die Ursachen des Rassenwandels der Bevölkerung Deutschlands seit der Völkerwanderungszeit“.
Der Rundgang führt uns zu Orten, an denen diese Geschichte konkret greifbar wird: zum Gründungsort der Jenaer NSDAP-Ortsgruppe, zur NS-Kreisleitung und zu universitären Instituten und Wissenschaftlern, die an der Produktion und Verbreitung rassistischer und völkischer Vorstellungen beteiligt waren.
𝗩𝗢𝗡 𝗗𝗘𝗥 „𝗥𝗔𝗦𝗦𝗘𝗡𝗪𝗜𝗦𝗦𝗘𝗡𝗦𝗖𝗛𝗔𝗙𝗧“ 𝗭𝗨𝗥 𝗝𝗘𝗡𝗔𝗘𝗥 𝗘𝗥𝗞𝗟Ä𝗥𝗨𝗡𝗚
Dabei geht es nicht allein um einen Blick zurück.
2019 wurde in Jena die 𝗝𝗲𝗻𝗮𝗲𝗿 𝗘𝗿𝗸𝗹ä𝗿𝘂𝗻𝗴 vorgestellt. Ihre zentrale Aussage lautet: Für die Einteilung von Menschen in biologische „Rassen“ gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Das Konzept der „Rasse“ ist vielmehr das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung. Gerade dieser Kontrast macht die Auseinandersetzung mit der eigenen institutionellen Vergangenheit so wichtig. Wie kann die Universität von heute angemessen über diejenigen informieren, die Wissenschaft in den Dienst von Ausgrenzung, Rassismus und nationalsozialistischer Politik stellten? Darüber möchten wir während des Rundgangs gemeinsam ins Gespräch kommen.
Wir sind das Stadtbild. Am 25. Oktober ab 11:00 Uhr am Rathaus Jena setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Respekt, Vielfalt und Menschlichkeit. Wir stehen hinter der Jenaer Erklärung gegen Rassismus – klar, solidarisch und sichtbar. Komm dazu und zeig Haltung. Gemeinsam machen wir Jena bunt, offen und stark.
Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, Foto: Thomas Müller.
Exkursion
Ausstellungsbesuch in Weimar am 14.06.2025
Zu den Themen „Weimar im Nationalsozialismus“ und „NS-Zwangsarbeit“
Der Arbeitskreis Sprechende Vergangenheit e.V. lädt ein zu einem Besuch des Museums
„Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ und zum Besuch der Ausstellung
„Gauforum in Weimar- Ein Erbe des Dritten Reiches“ in Weimar am Samstag, den 14.06.2025 ab 11:15 Uhr (Treffpunkt am Jorge-Semprun-Platz 2)
Die Bücherverbrennung in Jena fand am 26. August 1933 statt. Auch in diesem Jahr wollen wir an den Versuch der Kulturvernichtung mit einer Veranstaltung erinnern. Genaueres werden wir Ihnen auf dieser Seite mitteilen.
Auch heute in Zeiten einer wieder erstarkenden Menschenfeindlichkeit und gefährlichen Präsenz von NS-Ideologie halten wir es für wichtig, zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen und aktiv zu sein – Fokus unserer Arbeit sind Jena und Thüringen in der Zeit des Nationalsozialismus. Wir leisten Aufklärung zu Geschehnissen und Verbrechen – initiieren Veranstaltungen und Veröffentlichungen und machen Netzwerkarbeit. Seit über 15 Jahren arbeiten wir, eine unabhängige Gruppe von Akteur*innen ohne parteipolitische Bindung, ehrenamtlich zusammen.
Mit über 60 Veranstaltungen und Aktionen ist der Arbeitskreis in Jena kontinuierlich öffentlich in Erscheinung getreten. Wir haben zu den lokalen Opfern einzelner Ereignisse recherchiert, Erinnerung im öffentlichen Raum sichtbar werden lassen und Gedenkveranstaltungen initiiert. Dafür arbeiten wir eng mit anderen Akteuren zusammen, wie den Organisatoren des „Klang der Stolpersteine“, dem Stadthistoriker und dem Rat der Stadt Jena, dem Aktionsnetzwerk gegen Rechts und der Gedenkstätte Buchenwald. Wir präsentieren unser bisheriges Engagement und die geleistete Arbeit als ein „Langzeitprojekt“.